Chapter 5 of 22
Der Duft der nähe
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Max saß mit dem Rücken an der Tür, die Knie fest angezogen, das Gesicht in den Händen
vergraben. Die Tränen liefen still, ohne Schluchzen – einfach nur ein endloser Strom aus
Schmerz und Hilflosigkeit. In diesem Moment rutschte etwas Weiches von der Türklinke
herunter, direkt auf seinen Kopf und von dort in seinen Schoß.
Es war Lauras rosa Sweatshirt. Das Oversize-Teil mit dem kleinen weißen Herzchen-Print
auf der Brust, das sie so liebte. Es hatte immer an der Innenseite der Tür gehangen, weil sie
es jederzeit grifbereit haben wollte. Jetzt lag es da, leicht zerknittert, und als Max es
hochhob, traf ihn ihr Duft wie ein Schlag: eine Vertraute Mischung aus ihrem
Vanille-Shampoo, dem leichten Blumendeo, das sie immer benutzte, und etwas ganz
eigenem – einfach Laura.
Er presste den Stoff an sein Gesicht und atmete tief ein. Dann brach alles aus ihm heraus.
Er weinte hinein, lautlos zuerst, dann mit tiefen, erstickten Schluchzern, die seinen ganzen
Körper erschütterten. Das Sweatshirt wurde feucht von seinen Tränen, aber der Duft blieb.
Er fühlte sich ihr plötzlich wieder ganz nah – als würde sie direkt neben ihm sitzen und ihn
sanft in den Arm nehmen.
Ohne nachzudenken, zog er sein eigenes Shirt aus und schlüpfte in ihres. Der Stoff war
weich und kuschelig – ein dicker Baumwoll-Mix, innen leicht angeraut, wie eine schützende
Umarmung. Ihr war es oversized gewesen, aber ihm passte es fast perfekt; die Ärmel
reichten genau bis zu den Handgelenken, der Saum endete auf Höhe seiner Hüften. Es roch
nach ihr, fühlte sich nach ihr an. Und für einen kurzen Moment wurde der unerträgliche
Schmerz ein wenig leiser.
Die nächsten Wochen hatte er Hausarrest. Er verließ das Zimmer nur zum Essen oder für
den Gang ins Bad. Ansonsten verbarrikadierte er sich oben. Er trug das rosa Sweatshirt fast
ununterbrochen. Es wurde zu seinem Schutzpanzer. Wenn die Mutter von unten rief: „Essen
ist fertig!“, zog er hastig einen seiner dunklen Hoodies darüber, ging runter, stocherte stumm
im Essen herum und gab einsilbige Antworten auf die besorgten Fragen der Eltern. Kaum
wieder oben angekommen, streifte er den dunklen Hoodie ab und vergrub sich wieder in
ihrem Sweatshirt – nur er und Lauras Duft.Doch nach einigen Tagen begann der Geruch zu verblassen. Er wurde schwächer und
vermischte sich langsam mit seinem eigenen. Es reichte ihm nicht mehr.
Eines Abends, als das Haus vollkommen still war und der Mond durch das Dachfenster
schien, stand er auf und trat vor Lauras Kleiderschrank. Es war die rechte Hälfte des großen
Schrankes, die seit Jahren fest in ihrer Hand gewesen war. Er öfnete die Tür leise. Der
vertraute Duft all ihrer Sachen schlug ihm entgegen – frische Wäsche, Parfüm und ein
Hauch ihres Deos.
Seine Finger glitten über die Kleiderbügel. T-Shirts, Tops, Pullover. Dann, in einem der
unteren Fächer, fand er es: eines ihrer Lieblingsoutfits, sauber gefaltet, als hätte sie es für
einen besonderen Tag bereitgelegt. Ein kompletter Stapel – Slip, BH, Kuschelsocken, ihre
engste Skinny-Jeans und das schulterfreie Top in Altrosa, das sie im Sommer so gerne
getragen hatte.
Max zögerte lange. Er starrte auf die Kleidung. Das war ein großer Schritt. Doch der
Wunsch, ihr so nah wie möglich zu sein, war in diesem Moment stärker als jede Hemmung.
Mit zitternden Händen nahm er den Stapel heraus und legte ihn behutsam auf ihr Bett.
Zuerst der Slip. Ein zartes, roséfarbenes Panty aus weichem Modal-Stoff mit einem
schmalen Spitzenrand am Bund. Der Stoff war dünn, leicht und kühl unter seinen Fingern. Er
zog seine Boxershorts aus, verharrte einen letzten Augenblick und stieg dann hinein. Der
Slip saß eng, aber elastisch und weich. Der Spitzenrand schmiegte sich sanft an seine
Hüften – ein fremdes und zugleich seltsam vertrautes Gefühl, weil es ihr Kleidungsstück war.
Dann der BH. Ein schlichter, bügelloser Sport-BH in demselben Roséton, mit breiteren
Trägern und weich gepolsterten Cups. Vorne lag ein kleiner Hakenverschluss. Er schlüpfte
mit den Armen durch die Träger und zog ihn über den Kopf nach unten. Der Stoff dehnte
sich und legte sich eng an seine Brust. Das atmungsaktive Funktionsmaterial fühlte sich
innen leicht samtig an. Die Träger lagen auf seinen Schultern, der untere Bund saß straf,
aber bequem unter der Brust. Es fühlte sich an wie eine zweite Hülle – schützend und
haltend.
Die Kuschelsocken: dicke, flauschige Socken aus hellgrauem Chenille-Garn mit kleinen rosa
Herzchen. Er setzte sich auf die Bettkante und zog sie an. Das weiche Material umhüllte
seine Füße wie eine warme Wolke. Jeder Schritt auf dem Parkett fühlte sich gedämpft an.
Dann die Skinny-Jeans. Eine enge, high-waisted Jeans in Mittelblau mit hohem
Stretch-Anteil. Er stieg hinein und zog sie hoch. Der feste, aber dehnbare Denim legte sich
wie eine zweite Haut an seine Beine. Der Reißverschluss schloss sich mit einem leisen
Klicken, der Knopf saß genau auf Höhe seines Bauchnabels. Die Jeans betonte jede Linie –
die Oberschenkel, die Hüften, das Gesäß. Sie saß wie angegossen, weil sie exakt dieselbe
Statur besaßen.
Zuletzt das schulterfreie Top. Ein leichtes Shirt aus altrosafarbenem Viskose-Jersey mit
einem breiten, elastischen Smock-Bund, der die Schultern freiließ. Der Stoff war dünn und
fließend. Er zog es über den Kopf, der Bund dehnte sich über die Schultern und setzte sich
oberhalb der Brust fest. Das Top fiel locker über seinen Bauch und endete knapp über dem
Bund der Jeans. Der zarte Stoff fühlte sich völlig anders an als seine eigenen, schweren
Klamotten.
Max stand auf und trat langsam vor den großen Spiegel an der Schranktür.
Er sah hinein. Und für einen Augenblick sah er Laura.
Die Ähnlichkeit war verblüfend. Dasselbe Gesicht, dieselben Haare, dieselbe Figur. Das
Outfit saß so perfekt, als wäre es für ihn gemacht worden. Der Duft ihrer Sachen umhüllte
ihn nun vollständig. Der weiche Slip, der haltende BH, die flauschigen Socken, die enge
Jeans und das luftige Top.Er drehte sich einmal langsam vor dem Spiegel und spürte, wie der Stoff sich mit jeder
Bewegung mitbewegte.
In diesem Moment war Laura wieder bei ihm. Näher, als sie es seit dem Unfall je gewesen
war.
Er setzte sich sanft auf ihr Bett und zog die Knie an. Das Top spannte leicht über der Brust,
die Jeans lag eng an.
Er weinte nicht mehr. Er fühlte nur noch ihre Nähe