Chapter 2 of 22
Der letzte gemeinsame Freitagabend
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Es war Freitagabend, Ende Oktober, und die Schule war für diese Woche endlich vorbei. Die Luft draußen war mild für die Jahreszeit, ein letzter Hauch von Herbstwärme, bevor der Winter richtig zuschlagen würde. Max und Laura hatten sich schon seit Anfang der Woche auf diesen Abend gefreut: Bowling. Es war ein altes Ritual zwischen den beiden, eine jahrzehntelange Fehde um die inoffizielle Familienkrone, die schon viel zu lange geruht hatte.
Bevor sie sich auf die Bahn wagten, machten sie Halt in ihrem Lieblingsburger-Laden zwei Straßen vom Bowlingcenter entfernt – einem kleinen, gemütlichen Spot mit roten Lederbänken und schumrigem Neonlicht. Der Duft nach frischen Pommes und gegrilltem Fleisch hing angenehm in der Luft.
Sie setzten sich in eine Ecknische und bestellten: Laura einen Cheeseburger mit extra Bacon und eine große Cola, Max einen Chicken-Burger und Pommes zum Teilen.
Kaum stand das Essen auf dem Tisch, rieb sich Laura grinsend die Hände. „Ich hoffe, du hast die Woche über heimlich geübt, Max. Das letzte Mal habe ich dich gnadenlos abgezogen.“
Max schnaubte, während er eine Pommes in Ketchup tunkte. „Ein Strike aus Versehen zählt nicht als 'gnadenlos abgezogen'. Außerdem hattest du die Banden oben.“
„Das war Strategie!“, verteidigte sich Laura lachend und nahm einen großen Bissen von ihrem Burger. „Und heute spiele ich ohne Banden. Und ich werde dich trotzdem fertigmachen.“
„Wir werden sehen. Wer verliert, übernimmt das nächste Mal das Ausräumen der Spülmaschine für eine ganze Woche“, forderte Max sie heraus.
Laura schlug ohne zu zögern ein. „Top. Ich freue mich schon auf meine feie Woche.“
Sie aßen auf, lachten über Lauras furchtbare Bowling-Technik, die sie selbst gern als „künstlerische Freiheit“ bezeichnete, und spazierten rüber zum Center.
Das Bowlingcenter war gut besucht, eine Mischung aus bunten Lichtern, Musik aus den Lautsprechern und dem satten, metallischen Klackern der fallenden Pins. Nachdem sie sich die gewohnt stilfreien, rot-blauen Leihschuhe geholt hatten – über die sich Laura wie jedes Mal ausgiebig lustig machte –, bezogen sie Bahn 7.
Was folgte, war ein zweistündiger Schlagabtausch voller Jubel, Frust und gegenseitigem Neckereien. Laura warf die Kugel mit einer Mischung aus voller Wucht und absolutem Zufall. Manchmal rauschte sie direkt in die Rinne, nur um im nächsten Durchgang mit einem ohrenbetäubenden Krachen alle zehn Pins abzuräumen. Dann drehte sie sich auf den Fersen um, formte mit den Fingern ein Siegeszeichen und tanzte ihren kleinen, peinlichen Siegestanz mitten auf dem Anlauf.
Max hingegen spielte konzentriert, versuchte den perfekten Drall hinzubekommen, wurde aber von Lauras ständigen Kommentaren aus dem Konzept gebracht. „Hey, Profi, deine Kugel schläft gleich ein!“, rief sie von hinten, woraufhin Max die Kugel prompt knapp am Ziel vorbeimanövrierte.
„Du bist unmöglich“, lachte er, als er zu den Sitzen zurückkehrte und ihr leicht gegen die Schulter stieß. „Absichtliche Verwirrung des Gegners.“
„Im Krieg und beim Bowling ist alles erlaubt, Bruderherz.“
Am Ende entschied Max das zweite Spiel knapp für sich, doch die Gesamtwertung erklärten beide einvernehmlich zum Unentschieden. Auf dem Heimweg in der U-Bahn hingen sie nebeneinander in den Sitzen, leicht erschöpft, die Wangen noch warm von der Halle.
„Mein Daumen bringt mich um“, jammerte Laura gespielt dramatisch und begutachtete ihre Hand. „Ich glaube, deine Kugel war zu schwer für mich.“
„Du hast ja auch geglaubt, die Zehner-Kugel mit aller Gewalt werfen zu müssen“, schmunzelte Max.
Zu Hause angekommen war es knapp elf Uhr. Die Eltern schliefen bereits, das Reihenhaus war gehüllt in friedliche Stille. Sie schlichen leise die Treppe hoch in ihr Zimmer und warfen die Jacken ab.
Max setzte sich direkt an seinen Schreibtisch und klappte den Laptop auf. Sein kleiner Online-Shop – er verkaufte gebrauchte Sneakers, Accessoires und ein paar selbst designte T-Shirts – lief in letzter Zeit wirklich gut. „Zwei Verkäufe heute“, murmelte er zufrieden, während er Bestellungen überprüfte und Versandlabels druckte.
Laura ließ sich rücklings auf ihr Bett fallen und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Apropos morgen... ich freu mich schon so auf den Shoppingtag mit Tante Claudia! Wir fahren direkt morgens in die Stadt. Erst lecker frühstücken und dann durch alle Läden. Ich brauche unbedingt neue Laufschuhe.“
Max schaute kurz über die Schulter und lächelte. „Viel Spaß. Ich und Shoppen... nein danke. Minigolf mit Marie klingt deutlich entspannter.“
Laura drehte den Kopf zu ihm und grinste schelmisch. „Stimmt ja, das große Date. Verlass dich bloß nicht darauf, dass sie dich gewinnen lässt, nur weil sie dich mag.“
„Ich brauche kein Mitleid, ich hab Talent“, konterte Max grinsend und klebte das letzte Etikett auf ein Paket.
„Ja, ja. Talent zum Bälle-Verlieren.“ She schnappte sich ein Kissen und warf es leicht nach ihm, doch Max fing es lässig mit einer Hand ab.
Nachdem Max den Laptop zugeklappt hatte und sich ebenfalls bettfertig machte, löschten sie gegen Mitternacht das Licht. Im Raum blieb nur das sanfte Schimmern der Straßenlaterne draußen vor dem Fenster.
Laura kuschelte sich in ihre Decke und murmelte schläfrig: „Gute Nacht, Max. War ein richtiger guter Abend.“
„Gute Nacht, Sis. Träum von deinen neuen Schuhen.“
Sie lachten leise ein letztes Mal, dann wurde es still im Zimmer.
Beide schliefen seelenruhig ein, völlig ahnungslos, dass dies ihr letzter unbeschwerter Abend zusammen sein würde. Morgen würde alles anders werden.