Chapter 1 of 1
Chapter 1: Das Lachen der gefrorenen Sekunden
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Heißer Asphalt brannte durch die dünnen Sohlen von Shivas Sportschuhen, während sie keuchend in die Knie ging.
Staub wirbelte um ihre Knöchel auf und legte sich wie ein grauer Schleier auf ihre markanten, zweifarbigen Haare.
"Du wirst langsam, Shiva!", rief eine unerträglich fröhliche Stimme durch den staubigen Innenhof der Jujutsu-Akademie.
Satoru Gojo stand nur wenige Meter von ihr entfernt, die Hände lässig in den Taschen seiner dunklen Schuluniform vergraben.
Ein breites, blendendes Grinsen lag auf seinen Lippen, und seine strahlend blauen Augen funkelten hinter der dunklen Sonnenbrille hervor.
Grinsend wischte sich Shiva den Schweiß von der Stirn und zwang ihre zitternden Beine, wieder stabil zu stehen.
Seit drei Jahren waren sie nun schon unzertrennlich – Satoru, Suguru, Shoko und sie.
Diese drei Jahre waren die glücklichsten ihres Lebens gewesen, gefüllt mit Albernheiten, nächtlichen Ausflügen und einer tiefen Verbundenheit.
Doch in letzter Zeit hatte sich etwas verändert, besonders zwischen ihr und Satoru.
Blicke dauerten Sekunden zu lang, Berührungen fühlten sich elektrisierender an, und das Herzklopfen in seiner Nähe war kaum noch zu ignorieren.
Aus dem Schatten des alten Schulgebäudes beobachtete Suguru Geto das Geschehen mit verschränkten Armen.
"Strengt euch an", rief Suguru ihnen mit seiner tiefen, ruhigen Stimme zu.
"Wenn ihr in diesem Tempo weitermacht, verpassen wir das Abendessen, und Shoko wird uns nicht noch einmal Pizza reinschmuggeln."
Satoru schnaubte amüsiert, während er eine Hand aus der Tasche zog und eine lockende Bewegung mit den Fingern machte.
"Komm schon, Shiva", forderte er sie heraus.
"Zeig mir, dass du mich wenigstens berühren kannst, ohne dass ich meine Barriere aktivieren muss."
Angst schoss ihr plötzlich durch die Brust – nicht vor Satorus Stärke, sondern vor der schrecklichen Vorstellung, nutzlos zu sein.
Sie durfte nicht hinter ihnen zurückbleiben, nicht hinter den beiden stärksten Hexenmeistern ihrer Generation.
Wenn sie schwach war, würden sie sie irgendwann allein zurücklassen.
Diese lähmende Verlustangst fraß sich jeden Tag tiefer in ihre Seele und trieb sie an ihre absoluten Grenzen.
Mit einem lauten Schrei stürmte Shiva nach vorn, ihre Faust geballt, scheinbar bereit für einen frontalen Angriff.
Satoru bewegte sich kaum, wartete einfach ab, ein selbstgefälliges Lächeln auf den Lippen.
Seine Faust schnellte nach vorn, blitzschnell und präzise, direkt auf ihre Schulter zielend, um sie von den Beinen zu holen.
Jetzt war der Moment.
Fluchkraft staute sich in Shivas Adern, eiskalt und schwer wie flüssiges Blei.
*Chronos-Verzögerung.*
Geräusche verstummten schlagartig, als die Welt um sie herum in eine zähflüssige, fast stehende Masse erstarrte.
Jedes Staubkorn in der Luft blieb regungslos hängen.
Satorus Angriff fror mitten in der Bewegung ein, seine Faust nur Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt.
Ein heftiger, stechender Schmerz explodierte in Shivas Brust, als würde ihr Herz von unsichtbaren Krallen zusammengedrückt.
Eine Sekunde.
Ihre Lunge schrie nach Sauerstoff, doch in der gefrorenen Zeit gab es keine Luft zum Atmen.
Zwei Sekunden.
Sie spürte, wie ein warmer Blutstropfen in ihrem linken Ohr entstand und langsam nach außen sickerte.
Jede Sekunde, die sie die Zeit dehnte, saugte unbarmherzig an ihrer Lebenskraft, verkürzte ihre Existenz um wertvolle Tage.
Drei Sekunden.
Unter Aufbietung ihrer gesamten Willenskraft wich Shiva der eingefrorenen Faust aus und trat ganz nah an Satoru heran.
Mit einem frechen, fast verzweifelten Lächeln streckte sie die Hand aus und zupfte ihn kräftig an der Nasenspitze.
Sofort ließ sie ihre Fluchtechnik fallen.
Geräusche explodierten wieder in ihren Ohren, und die Welt raste mit voller Wucht zurück in die Realität.
Satoru taumelte einen Schritt zurück, völlig perplex, die Hand auf seine Nase gepresst.
Ein schallendes Lachen entfuhr ihm, als er begriff, was gerade passiert war.
"Das war unfair, Shiva!", rief er aus, während seine blauen Augen vor Begeisterung regelrecht leuchteten.
"Du hast schon wieder deine Zeitmagie benutzt, um mich auszutricksen!"
Shiva zwang sich zu einem lauten, unbeschwerten Lachen, obwohl ihr Sichtfeld an den Rändern bedrohlich flackerte.
"Wer gewinnt, hat recht, Satoru!", konterte sie mit betont munterer Stimme.
Ihr Herz stolperte wild in ihrer Brust, schlug in einem unregelmäßigen, schmerzhaften Rhythmus.
Schritte näherten sich aus dem Hintergrund.
Suguru war vom Rand des Hofes herangetreten, die Stirn tief in Falten gelegt.
Seine schmalen Augen fixierten Shivas Gesicht mit einer Intensität, die sie innerlich erzittern ließ.
"Shiva", sagte Suguru leise, seine Stimme gefährlich ruhig.
"Was ist das an deinem Ohr?"
Panik flutete Shivas Körper, heißer und schneidender als die Hitze des Sommertages.
Mit einer schnellen, fast beiläufigen Bewegung wischte sie sich mit dem Handrücken über das linke Ohr.
Als sie ihre Hand herunternahm, klebte dunkles, frisches Blut an ihrer Haut.
"Oh, das?", log sie sofort, ohne mit der Wimper zu zucken, und setzte ihr strahlendstes Lächeln auf.
"Ich muss mich wohl vorhin an einem Ast im Gebüsch gekratzt haben, als wir Verstecken gespielt haben."
Suguru glaubte ihr kein Wort, das sah sie an der leichten Anspannung seines Kiefers.
Er wusste, dass sie log, doch er drängte sie vor Satoru nicht weiter in die Enge.
Satoru trat einen Schritt näher, sein Lachen erstarb, und ein seltener Ausdruck von echter Besorgnis trat auf sein Gesicht.
Er zog seine Brille ein Stück nach unten, sodass seine unglaublichen Augen sie direkt fixierten.
"Bist du sicher, dass es dir gut geht?", fragte er leise, und seine Hand zuckte kurz, als wollte er ihre Wange berühren.
Diese winzige Geste ließ ihr Herz noch heftiger gegen die Rippen hämmern.
Sie wollte sich an ihn lehnen, wollte ihm alles erzählen, doch die Angst vor seiner Ablehnung war größer.
Wenn sie wüssten, dass sie sich langsam selbst umbrachte, würden sie sie vom Dienst suspendieren.
Sie würde auf der Bank sitzen, während die beiden gemeinsam die Welt retteten.
Sie würde vergessen werden.
"Natürlich geht es mir gut!", rief sie aus, drehte sich schwungvoll um und tat so, als würde sie ihre Sachen packen.
"Ich bin nur ein bisschen hungrig."
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Minuten später saßen die drei auf den breiten Steinstufen, die zum Hauptgebäude führten.
Die Sonne begann langsam unterzugehen und färbte den Himmel in ein tiefes, fast unnatürliches Violett.
Satoru saß so nah an ihr, dass seine Schulter bei jeder Bewegung die ihre streifte.
Es war eine angenehme, vertraute Wärme, die sie am liebsten für immer festgehalten hätte.
"Wir sollten morgen in die Stadt gehen", schlug Satoru vor und warf einen kleinen Kieselstein in den Staub.
"Es gibt diesen neuen Crêpe-Laden, von dem alle reden."
"Du denkst auch nur ans Essen", murmelte Suguru, musste aber dennoch leicht lächeln.
"Shiva kommt bestimmt mit, oder?", fragte Satoru und blickte sie von der Seite an.
Sein Blick war weich, fast zärtlich, ein Ausdruck, den er nur ihr gegenüber zeigte.
Shiva wollte antworten, wollte laut 'Ja!' rufen, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken.
Ein plötzlicher, eisiger Schauer lief ihr über den Rücken.
Ihr Atem stockte, und ein Gefühl der Schwerelosigkeit überkam sie.
Die Welt um sie herum begann sich drehen, die Konturen der Gebäude verschwammen zu einem einzigen, grauen Brei.
Sie versuchte sich an Satorus Ärmel festzuhalten, doch ihre Finger fühlten sich taub und kraftlos an.
"Shiva?", hörte sie Satorus Stimme wie aus weiter Ferne, gedämpft und voller plötzlicher Panik.
Als Shiva versucht aufzustehen, sackt ihr Kreislauf weg, und vor ihren Augen färben sich Gojos strahlend blaue Augen für eine Millisekunde aschgrau – ein Schatten, den sie noch nie zuvor gesehen hat.